Aus aktuellem Anlass:

Frühe und vorsorgliche Furcht ist die Mutter der Sicherheit.

Edmund Burke (1729 – 1797)

Aufgrund der derzeitigen Verunsicherung wegen der Coronavirus-Pandemie findet die offene Sprechstunde bis auf weiteres nicht mehr statt.

Infogespräche sind weiterhin möglich, allerdings bitte ich um telefonische Voranmeldung (0201-80662255).

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„Es bedarf nur eines Anfangs, dann erledigt sich das Übrige.“ – Sallust, Der Catilinatische Krieg

Ich werde auf meiner Seite jetzt auch so eine Art Blog führen. Daher erst einmal die Frage (frei nach Beikircher): Wat soll der Quatsch? Ein Blog ist ja der Definition nach eine Art Tagebuch im Internet. Aber Tagebücher sind was persönliches und sollten auch nicht von jedem gelesen werden, daher trifft Blog nicht zu. Meditationen kommt dem eher nahe, aber meditieren hat einen zu religiösen Hintergrund, als dass ich den Begriff vollständig übernehmen könnte. Andererseits ist Achtsamkeit, ein Begriff, der ja auch aus dem Dunstkreis der Meditation entstammt, mit im Boot und kommt ja auch für die Stressreduktion mit zum Einsatz. Meine Texte sollen auch einen therapeutischen Ansatz haben und zur Selbsthilfe dienen (was natürlich nur eingeschränkt übers Internet geht, weshalb ich Ihnen auch anbiete, unter 0201-80662255 einen persönlichen Termin zu vereinbaren), und sie haben oftmals eine leicht chaotische Herangehensweise. Wenn man also das ganze zusammenfasst und abkürzt, müsste doch eigentlich auch eine coole Abkürzung dabei herauskommen: Meditation, Achtsamkeitsübungen, therapeutische Selbsthilfe, chaotische Herangehensweise.

MATSCH

Na gut, dann schreibe ich halt Matsch, und damit beantwortet sich dann auch die Frage: Wat soll der Quatsch.

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Gedankenwege.de und Spiekermann-Essen.de

Für diejenigen, die sich wundern, weil sie Spiekermann-Essen.de in die Adresszeile eingegeben haben sei gesagt, dass die Seite hierhin umgeleitet wird. Bisher habe ich beide Seiten identisch gehalten, aber da jetzt noch ein neuer Teil hinzukommt, werde ich die Aufteilung aufgeben.

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Ein Becher Tee – Genuss – oder Schmerz beim Trinken?

Vor mir auf dem Tisch steht ein Becher Tee. Ein kleiner, grauer Porzellanbecher ohne Henkel. Ein Becher, der mir in seiner zeitlosen Schlichtheit so sehr gefallen hat, dass ich ihn gekauft habe. Nur einen. Einen Becher für mich. Momentan ist Winterzeit, momentan ist es Zeit für Tee.

Draußen ist es kalt und da ist es sehr schön, sich die Hände an einem warmen Becher Tee wärmen zu können. Ich habe mir also eine große Thermoskanne voll mit meinem derzeitigen Lieblingstee gemacht, aus dem ich immer wieder meinen Becher fülle.

Tee zu trinken kann eine sehr entspannende und fast schon meditative Beschäftigung sein. Nicht umsonst ist es auch eine der Gewohnheiten, die einer meiner Lieblingsphilosophen immer in seinen Texten verwendet. Ganze Philosophien sind um das Thema Tee entstanden, befassen sich damit, und haben Sinnsprüche um dieses Getränk gewoben.

Mein Tee hat mich heute wieder vieles gelehrt: Wenn er frisch aus der Kanne kommt und in meinen henkellosen Becher strömt, heizt sich der Becher so sehr auf, dass trinken auch Schmerzen bedeutet. Wenn ich den Tee so heiß trinken will, dann muss ich den Becher am oberen Rand mit den Fingerspitzen beider Daumen und beider Zeigefinger anfassen, ihn vorsichtig hochheben und den heißen Tee geräuschvoll schlürfen, damit ich mir nicht den Mund verbrenne. Diese Erkenntnis lässt sich als Gleichnis auf viele Dinge des Lebens übertragen: Manches muss man erst einmal ein wenig abkühlen lassen, nicht jedes Ding kann sofort genossen werden, und ob die Zeit alle Wunden heilt darüber streiten sich die Gelehrten, sicher ist jedoch dass die Zeit in einem henkellosen Becher den Tee langsam erkalten lässt. „Ein heißes Bad erfrischt den Körper, ein heißer Tee den Geist.“, so sagt man in Japan. In China heißt es: „Man trinkt Tee, damit man den Lärm der Welt vergisst.“ Auch dies lässt sich trefflich durchexerzieren, Tee zu trinken, auch wenn er heiß ist, auch wenn man in schlürfen muss, das ist eine gute Möglichkeit um auch in stressigen Situationen die Ruhe vielleicht nicht zu bewahren aber doch zu erlangen.

Deswegen mag ich nicht nur das Teetrinken als solches, sondern auch meinen neuen Becher. Er lehrt mich warten. Wenn ich nicht warten möchte lehrt er mich Schmerz. Will ich beides nicht, so bleibt nur die vier-Finger-Variante, gefolgt von jenen Geräuschen, die ich seit frühester Kindheit mit dem Teetrinken verbinde: Ein Schlürfen, ein Schlucken und ein genussvolles „Aaaahhhh!“. Später dann, wenn der Becher etwas abgekühlt ist, folgt die Phase, in der meine Handhaltung ein bisschen an die betenden Hände von Dürer erinnert, nur dass ich noch einen henkellosen Teebecher zwischen meinen Händen halte.

Wenn Sie Stress haben, wenn es Probleme gibt, die einer Lösung bedürfen, dann probieren Sie es einmal aus! Machen Sie sich erst einmal einen Tee, verfeinern ihn wenn nötig mit den entsprechenden Zutaten, warten Sie bis er die Temperatur erreicht, in der der Schmerz durch Genuss ersetzt wird. Und dann trinken sie Tee.

Wenn das nicht hilft: Rufen Sie mich an, dann suchen wir gemeinsam nach einer Lösung.

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Aber wenn es mir gut tut …

So langsam nähern wir uns dem Winter. Draußen wird es kalt, nass und ungemütlich. Es wird Zeit, die ganzen warmen Wintersachen aus dem Schrank zu holen und anzuziehen. Ich persönlich mag den Sommer zwar mehr als den Winter, aber der Winter hat einen großen Vorteil: Man kann die ganzen warmen Sachen anziehen und sich einen Scheiß darum scheren, wie das aussieht, denn solange etwas warm ist, ist es gut! Ein Dialog, der folgendermaßen abläuft: „Du siehst beschissen aus!“ „Ja, aber die Klamotten sind warm!“ „Da hast du recht!“ ist durchaus denkbar. Das ist auch das, was ich am Winter sehr mag. Draußen hat sich die Natur in einen winterschlafartigen Sparzustand zurückgefahren, und drinnen tut man alles, um es warm und gemütlich zu haben. Wir beginnen, uns von der Weite zurückzuziehen in die Gemütlichkeit und igeln uns ein. Das ist der Moment, wo man anfängt, sich auch mehr mit sich selbst zu beschäftigen. Für mich ist die wichtige Frage, die sich dann ganz besonders stellt, diese: Tut es mir gut?

Ein Tag, an dem man morgens das Eis von den Autoscheiben kratzen muss, eignet sich viel besser für heißen Tee als ein milder Sommertag. Und eine Mütze, die sonst wegen ihrer Farbzusammenstellung vielleicht nicht in Betracht gekommen wäre, ist plötzlich ideal, weil sie die Ohren so schön warm hält. Ich fange an, mich viel mehr für die eine, für die einzig wichtige Frage zu interessieren: Tut es mir gut? Ja, die hässliche grüne Filzmütze tut mir gut, denn sie hält meinen Kopf warm.

Meine Ohren frieren nicht, ob es doof aussieht, ist mir völlig egal, denn meine Ohren frieren nicht. Die Frage, was die Nachbarn denn denken sollen, hat für mich sowieso im normalen Leben kaum Bedeutung, aber im Winter rückt sie völlig in den Hintergrund. Und das ist einer der Gründe, aus denen ich auch den Winter sehr mag. Die elementare Frage rückt in den Mittelpunkt: Tut es mir gut? An einem schönen, klaren Tag wie heute, an einem Tag, der kalt ist und neblig, ist diese Frage die Einzige, die wichtig ist.

Mein Fazit für diesen Text: Ich mach mir jetzt erst mal einen schönen heißen Tee.

Warum? Weil es mir gut tut!

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Was passiert eigentlich bei einer Therapie?

Wer das erste Mal überlegt, Kontakt mit einer Praxis für Psychotherapie aufzunehmen, hat normalerweise schon eine Reihe von Bildern im Kopf.

Wer zum Therapeuten geht ist verrückt, beim Therapeuten muss man sich auf die Couch legen, der Therapeut quetscht einen aus und man muss viel über seine Mutter reden. Für diejenigen, die zu viel „Schweigen der Lämmer“ oder die Serie „Hannibal“ gesehen haben, könnte noch die Furcht dazu kommen, am Ende aufgegessen zu werden. Der Therapeut ist für gewöhnlich ein älterer, bärtiger, Pfeife rauchender Mann mit Strickjacke, der ein Klemmbrett in der Hand hält. Außerdem braucht man allein schon für die Frage nach einem Termin eine gut gefüllte Brieftasche.

Ok, nehmen wir uns diese Bilder einmal der Reihe nach vor und überprüfen sie auf ihren Wahrheitsgehalt:

Wer zum Therapeuten geht ist verrückt.

Dieser Satz ist eine Zuspitzung, die daher nicht richtig ist. „Verrückt“ ist sowieso ein beleidigender Kampfbegriff, den ich deswegen – außer in diesem Text – für gewöhnlich nicht verwende. Ich würde stattdessen sagen: Wer zum Therapeuten geht hat ein Problem, er hat eingesehen, dass er ein Problem hat, und er nimmt sein Leben aktiv in die Hand, um das Problem oder seine Einstellung zum Problem in den Griff zu bekommen. Das ist genauso, wie Sie einen Klempner anrufen würden, wenn aufgrund eines Rohrbruchs der Keller unter Wasser steht. Es gibt ein Problem, und es gibt einen Fachmann, und es gibt eine Lösung.

Beim Therapeuten muss man sich auf die Couch legen.

Das Klischeeobjekt schlechthin für Therapeuten ist die Couch. Das geht zurück auf die Couch von Sigmund Freud, die man im Museum in London sehen kann. Nun, Freud ist seit 80 Jahren tot und sowohl Therapiegeschichte als auch Möbeldesign haben seitdem einige Fortschritte gemacht. Ich gebe zu, dass ich auch in meinen Praxisräumlichkeiten eine Couch habe. Dennoch kann ich jedem nur dringend davon abraten, sich darauf legen zu wollen. Sitzen ist ok, doch wer sich bei mir auf die Couch legt kann direkt einen Wechsel von der Psychotherapie hin zur Physiotherapie vollziehen. Ich habe es einmal experimentell versucht und es hat meinem Rücken nicht gutgetan.

Der Therapeut quetscht mich aus und ich muss viel über meine Mutter reden.

Auch das ist wieder ein Klischee und als solches falsch. Ausquetschen ist etwas, was ich nur bei Tuben mache. Natürlich ist es ein großer und wichtiger Teil der Therapie, über Dinge zu reden. Manchen Problemen kann man sich nur sprechend nähern. Und manchmal frage ich auch nach. Wenn ich dabei etwas ansprechen sollte, über das Sie nicht reden wollen, lassen Sie es einfach. Insbesondere wenn Sie nicht über Ihre Mutter reden wollen ist das ok. Vielleicht rede ich mal über meine, aber das hat organisatorische Gründe.

„Einer dieser Meinungsforscher wollte mich testen. Ich genoss seine Leber mit ein paar Fava-Bohnen, dazu einen ausgezeichneten Chianti.“

Dieses Zitat aus „Das Schweigen der Lämmer“ gehört auch zu den allgegenwärtigen Therapeutenklischees. In dieser Hinsicht kann ich Sie beruhigen: So wie die meisten meiner Standeskollegen bin auch ich kein Kannibale. In unserem Haus gibt es außerdem die Regel: Mitbewohner werden nicht gegessen. Das erstreckt sich auch auf Klienten. Des Weiteren mag ich keine Leber, bin gegen Bohnen allergisch und trinke auch kaum Alkohol.

Der Therapeut ist ein älterer, bärtiger, Pfeife rauchender Mann mit Strickjacke und Klemmbrett.

Ok, jetzt haben sie mich. Älterer, bärtiger Mann trifft zu, die Pfeife liegt in der Vergangenheit, Strickjacke trage ich schon mal im Winter, sonst sind es eher Sweatshirt-Jacken und T-Shirts, und Klemmbretter haben sich einfach als praktisch erwiesen.

Ich brauche allein für die Frage nach einem Termin eine gut gefüllte Brieftasche.

Fragen kostet nichts! Bei mir ist auch grundsätzlich das Infogespräche kostenlos. Wenn es dann zu einer Terminvereinbarung kommt, entstehen natürlich Kosten, das ist genauso wie beim Klempner.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar nützliche Informationen mitgeben und das eine oder andere Vorurteil beseitigen.

Nachtrag:

Wir haben das Thema jetzt auch im Podcast besprochen, wer mal reinhören möchte kann das hier tun.

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Individualität, Höhenangst und das ZDF

Ziel einer Therapie ist es immer, auf den Klienten individuell einzugehen und die Individuellen Wünsche und Ziele zu erreichen. Das ist etwas sehr Persönliches. Im Tierreich (ja, wir Menschen zählen auch dazu, denn biologisch gehören wir zu den Trockennasenaffen) gibt es Spezialisten in jeder Form, Menschen sind eher die Universalisten. Wir schwimmen nicht so gut wie ein Delphin, wir klettern nicht so gut wie ein Gibbon, wir schlafen weniger als ein Löwe und wir rennen ohne Hilfsmittel auch nicht besonders schnell. Dafür können wir besser klettern als ein Delphin, etwas schwimmen und laufen geht auch und wir sind gut darin, Werkzeuge herzustellen und zu benutzen. Man könnte also sagen wir können alles, aber nichts richtig. Manche sind besser im Klettern, andere können schöne oder praktische Dinge herstellen, und wieder andere sind gut mit Feder und Tinte und haben uns Gedanken hinterlassen, die unsere Gesellschaft geprägt haben. So haben wir es geschafft, sehr erfolgreich zu werden und haben durch unsere individuellen Fähigkeiten Demokratie, Netflix und Aufbackbrötchen erfunden.

Nun gibt es aber Menschen, denen die Individualität gar nicht passt. Sie haben es lieber, wenn alle das gleiche tragen, im Gleichschritt marschieren, das gleiche denken und an der richtigen Stelle das gleiche brüllen. Für solche Menschen ist Individualität etwas Bedrohliches, sie wollen nicht, dass andere Leute anders denken als sie, sie hinterfragen nicht mehr und halten sich für den Nabel der Welt. Eine Opposition kann man da nicht gebrauchen, abweichende Meinungen schon gar nicht, die Medien werden gleichgeschaltet und es ist wichtig, jeden niederzubügeln, dessen Meinung irgendwie von dem vorgegebenen Narrativ abweicht. All das ist natürlich nur möglich, wenn man über ein Heer von Mitläufern verfügt, die nicht darauf warten, dass man ihn etwas befiehlt, sondern in vorauseilendem Gehorsam handeln. So etwas endet dann irgendwann in der Diktatur, in der es dann auch keinen Platz mehr für Netflix und Aufbackbrötchen gibt.

Vor kurzem rief mich jemand an, der behauptete, für das ZDF nach jemandem zu suchen, den sie in eine Therapiesituation begleiten und filmen wollten. Angeblich ginge es um das Thema Höhenangst. Nun bin ich jemand, der große Höhen selbst nicht besonders schätzt und eigne mich daher auch nicht sonderlich als Therapeut für dieses Problem. Ich sagte daher freundlich ab und wünschte ihm für seine Suche weiterhin viel Erfolg. Auf die Nachfrage, warum ich dies nicht wolle, sagte ich, dass zum einen Höhenangst nicht mein Thema sei und ich zum anderen unter keinen Umständen jemals mit dem ZDF zusammenarbeiten würde. Danach beendete ich das Gespräch.

Abgesehen davon finde ich es als Therapeut generell unethisch, sich medienwirksam über eine Therapie herzumachen, denn jeder Klient hat das Recht auf einen geschützten Raum, in dem das was gesagt und besprochen wird bleibt. Ein geschützter Raum duldet keine Kameras! Was zwischen einem Klienten und mir besprochen wird, bleibt dort und wird von niemandem mitgehört. Schon gar nicht von jemandem, der bereits bewiesen hat, dass sein Umgang mit der Wahrheit oftmals zu kreativ ist, um noch ehrlich genannt zu werden. Dies war an diesem Tag die einzige Anfrage.

Am gleichen Tag erschien auf einmal eine negative Rezension mit der Behauptung, ich wäre unfreundlich im Internet.

Ein Mathematiker würde an der Stelle sagen: Quod erat demonstrandum! (Was zu beweisen war).

Nun denn kleiner Mitläufer: Du hast bewiesen, wes Geistes Kind du bist, jeder Diktator wäre stolz auf dich.

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Manchmal muss man schießen!

Keine Angst, lieber Leser, dieser Text stellt keine Aufforderung zu übertriebener Gewalt dar. Er geht zurück auf eine Anekdote, von der mir ein guter Freund einmal erzählt hat:

Im Zweiten Weltkrieg soll sich folgende Geschichte zugetragen haben: Während eines militärischen Einsatzes war eine Gruppe amerikanischer Flugzeuge dabei, den Luftraum der neutralen Schweiz zu verletzen.

Die Flugzeuge tauchten auf dem Radar auf und es war absehbar, dass sie in Kürze über dem Gebiet der Schweiz sein würden. Daraufhin funkten die Schweizer die Piloten der amerikanischen Maschinen an und wiesen sie darauf hin, dass sie kurz davor seien, schweizerischen Luftraum zu verletzen. Offensichtlich hatte die Mission jedoch eine gewisse Dringlichkeit, daher fiel die Antwort recht kurz aus: „We know!“ Das wissen wir!

Immerhin war schon mal eine Kommunikation hergestellt. Die Schweizer wiesen die Piloten an, ihren Kurs zu korrigieren und den schweizerischen Luftraum nicht zu verletzen, andernfalls sei man gezwungen, zu schießen. Eine Kursänderung erfolgte nicht. Der Ton der Schweizer wurde dringlicher:

„Wenn Sie Ihren Kurs nicht korrigieren, werden wir auf sie schießen!“

Wiederum war die Antwort lakonisch und militärisch kurz: „We know!“

Eine letzte Warnung blieb auch fruchtlos, daraufhin hieß es „Wir schießen!“

Nachdem die Schweizer geschossen hatten flogen die amerikanischen Flugzeuge weiterhin unbeirrt auf ihrem alten Kurs. Die Piloten meldeten sich und sagten: „You missed!“ Sie haben danebengeschossen!

Und die Schweizer antworteten: „We know!“

Was hat diese Geschichte mit Psychotherapie zu tun? Warum erzähle ich so etwas auf meiner Seite? Ich möchte keineswegs propagieren, leichtfertig auf Menschen zu schießen.

In unserem Handeln kommen wir immer wieder an die Stelle, an der wir uns anderen gegenüber abgrenzen müssen. Das heißt oft auch Dinge zu tun, die andere nicht gutheißen können. Ein altes Sprichwort sagt:

„Allen Menschen recht getan ist eine Kunst die niemand kann!“

Wir müssen also nicht immer so handeln, dass die anderen mit uns zufrieden sind. Wir sollten allerdings im Interesse einer inneren Zufriedenheit versuchen, immer so zu handeln, dass wir mit uns selber zufrieden sein können. Wenn das bedeutet, einmal anzuecken, dann ist das eben so. Wenn es bedeutet, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen, dann ist das eben so.

Es ist wahr: Manchmal muss man schießen.

Von Treffen hat niemand gesprochen.

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Cui bono

Von Cicero ist uns zum ersten Mal die Frage „Cui bono?“ (Wem nützt es?/ Wem zum Vorteil?) überliefert worden. Im ursprünglichen Kontext ging es dabei um die Frage, wer von einem Verbrechen am meisten profitiert hat, woraus auch gerne auf eine Urheberschaft geschlossen wurde. Nun befasse ich mich nicht mit Verbrechen, sondern oft mit der Frage, wie man es schafft, glücklich und zufrieden zu leben. Wie schaffe ich es, dabei auftretende Probleme so zu bewältigen, dass sie mir nicht im Weg stehen. Diese Fragen stelle ich mir nicht nur für meine Klienten, sondern oft auch aus Eigeninteresse, denn glücklich sein und zufrieden leben hat noch nie geschadet. Außerdem kann ich es viel besser weitergeben, wenn ich selber darin Übung habe.

Die Frage „Cui bono“ stellt sich bei solchen Gelegenheiten auch meist. Viel zu oft höre ich Sätze wie „Das kannst du nicht machen!“ oder „Was ist, wenn das alle machen?“ Dabei geht es dann nicht um Dinge die gefährlich, unmoralisch oder illegal sind, sondern um Sachen, die ungewöhnlich sind. Nicht selten handelt es sich dabei um Dinge, bei denen die Frage nach dem Nutzen eindeutig zu meinen Lasten beantwortet wird. Und es ist nun mal eine Tatsache, dass ich nicht glücklich und zufrieden werde, wenn ich nur Anderen Nutzen bereite und dabei selber Schaden nehme.

Ich propagiere hier keineswegs einen totalen Egoismus, bei dem man nur den eigenen Vorteil im Sinn hat, aber ein wichtiger Schritt ist es, die Zeiträuber und Blutsauger aus meinem Leben zu verbannen, die mir nur etwas wegnehmen ohne mir einen Vorteil zu bringen.

Nicht immer ist die Frage nach dem persönlichen Nutzen sofort klar zu beantworten. Wenn ich beispielsweise einem Freund beim Umzug helfe, habe ich nicht sofort etwas davon. Sicher, wenn ich später einmal umziehen muss kann ich oftmals die Hilfe selber einfordern (wenn der betreffende Freund nicht gerade nach Australien gezogen ist). Was habe ich also davon außer Schweiß, Arbeit, im Idealfall etwas Pizza? Macht es mir Spaß? Ja! Das sollte doch schon mal reichen. Auf einem Bild was ich mal im Internet gefunden habe, hat Snoopy es so ausgedrückt: „Ich bin es mir wert, dass es mir gut geht. Darum erlaube ich mir alles, was mir gut tut.“ Und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

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Klischees vom Therapeuten

„Wieso soll ich zum Therapeuten, ich hab doch keinen an der Klatsche!“ Vielleicht haben Sie diesen Satz auch schon mal gesagt oder ihn aus dem näheren oder weiteren Umfeld gehört. Ich verrate Ihnen mal ein Geheimnis: Bei mir darf jeder Klient sein, eine diagnostizierte psychische Erkrankung ist nicht Voraussetzung, aber auch kein Hinderungsgrund. Manchmal ist es auch besser, ein Problem genauer zu untersuchen und gegebenenfalls zu bekämpfen, wenn es noch klein ist. Wenn ihnen die Kerze im Adventskranz umkippt und das dabei befindliche Tannengrün entflammt sagen Sie ja auch nicht „Warum soll ich die Feuerwehr rufen, das Zimmer brennt doch noch nicht!“, sondern Sie werfen beherzt etwas auf die Flammen, um sie zu ersticken bevor alles brennt.

Doch gehen wir weiter im Text und schauen uns das nächste Klischee an. Bei mir an der Tür steht die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker für Psychotherapie“. Darin ist ein weiteres Buzzword enthalten, das Menschen – zu Recht – auf die Palme bringen kann. Bei „Heilpraktiker“ denkt man an jemanden, der von alternativer Medizin faselt und Menschen mit Zuckerkugeln vom Krebs heilen will. Aber das ist – verzeihen Sie mir den Ausdruck – Bullshit! Medizin ist etwas, das wirkt, und das muss auch nachgewiesen werden. Meine Berufsbezeichnung geht ja aber noch weiter, denn der Schwerpunkt liegt auf der „Psychotherapie“. Das heißt auch, dass ich mit Medikamenten nichts zu tun habe, Zucker bekommen Sie auf Wunsch jedoch trotzdem, zum Kaffee (oder Tee) und in kleinen Tüten…

Bleibt also der Therapeut übrig. Auch da schiebt sich sofort ein Klischee ins Bild, man sieht einen älteren Herrn in Strickjacke, mit Brille, Bart, Pfeife, Klemmbrett, und irgendwo in der Praxis steht auch die obligatorische Couch, auf die sich der Klient legen kann. Nun kann ich nicht von der Hand weisen, dass ich schon mal gerne im Herbst oder Winter eine Strickjacke trage, den Bart habe ich ständig, die Brille nur phasenweise. Das Pfeife rauchen habe ich, ebenso wie das Rauchen an sich, aufgegeben, und wenn Sie das auch wollen, helfe ich auch gerne dabei. Klemmbretter nutze ich auch, denn sie sind manchmal einfach praktisch. Und auch eine Couch habe ich in der Praxis, allerdings sollten Sie sich darauf nur setzen, legen geht nicht, ich hab´s probiert und brachte danach keine Psycho- sondern eine Physiotherapie!

Wenn Sie in meine Praxis kommen, wird Ihnen vermutlich als erstes ein kleines schwarzes Fellknäuel entgegen laufen und freudig bellen. Und für meine Hündin gilt auch: Keine Strickjacke, keine Brille, keine Pfeife, keine Couch, aber Bart. Sie ist speziell dafür ausgebildet, sich den Klienten gegenüber zu benehmen wie ein kleiner, junger und manchmal unerzogener Hund, um die Situation aufzulockern. Falls sie zu wild wird, fange ich sie auch ein, nehme sie auf den Schoß und sehe dann nicht wie der Klischeetherapeut aus, sondern wie Ernst Stavro Blofeld aus den Bond-Filmen, nur habe ich statt der weißen Katze einen schwarzen Hund auf dem Arm. Ich hoffe, ich habe Sie jetzt nicht abgeschreckt, daher lasse ich ausnahmsweise mal den Hund sprechen: „Der tut nix! Der will nur reden!“

P.S. Wenn Sie Angst vor Hunden haben, bringe ich die Kleine natürlich eben nach nebenan. Angst vor Hunden lässt sich übrigens gut mit Verhaltenstherapie behandeln, dabei ist sie dann später wieder dabei.

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